Drei-Kirchen-Wanderung des Treffs „aktiv 58+“

 

Viel Herzblut hat Bernhard Würtenberger in die Vorbereitung der neuen Gruppe der Protestantischen Kirchengemeinde Freinsheim gesteckt. Ein Treff, der sich zum Ziel gesetzt hat, junge Senioren zu aktivieren. Am Donnerstag, 1. Sepember, war es so weit: der neue „Aktiv Seniorentreff 58+“ ging auf Tour, genauer gesagt, er startete mit einer „Drei-Kirchen-Wanderung“.
Als wir am Vortag bei Bernhard Würtenberger telefonisch nachfragten, waren wir überrascht.
Die Wanderung sollte um 9 Uhr auf dem Wurstmarktparkplatz beginnen und um 17 Uhr im Mehrgenerationenhaus “Sonnenblume“ in Bad Dürkheim zu Ende sein. Alle Achtung, wer soll das denn schaffen, haben wir gedacht, uns aber trotzdem frühmorgens auf den Weg zu den Salinen gemacht.
Auf gings; mit dem Segen der Kirche. Pfarrer Martin Christoph Palm hatte es sich nicht nehmen lassen, den Start der neuen Gruppe seiner Kirchengemeinde mit zu erleben und mit einem irischen Segensspruch unter den Segen Gottes zu stellen. (Noch) forschen Schrittes steuerten wir als erstes Etappenziel die Seebacher Klosterkirche an. Die „gebuchte“ Kirchenführung war ausgefallen. Also übernahm der Initiator der Tour kurzer Hand selbst diese Aufgabe.
Ursprünglich eine spätromanische Kirche der Benediktinerinnen, wurde die Seebacher Klosterkirche in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts erbaut und angeblich durch einen Ritter Siegfried von Seebach gestiftet. Sie entstand als eine dreischiffige, flach gedeckte romanische Pfeilerbasilika. Die Gewölbe von Chor und Vierung sind gotisch erneuert. Heute sind nur noch Chor und Vierung mit sechseckigem Vierungsturm erhalten. Die Kirche wurde zum Wahrzeichen der Gemeinde Seebach und ist Bestandteil des Ortswappens. Heute ist sie eine evangelische Kirche.
Über den Hochzeitspfad, der an den Weg, den Heiratswillige früher gegangen sind, erinnert, gingen wir weiter zur Limburg. Auch hier erlebte die Wandergruppe viel Herzblut. Die Liebe zur Burgruine und der mit ihr verbundenen Geschichte, war Herrn Hey abzuspüren, hatte er es sich doch nicht nehmen lassen, uns in seiner Mittagspause engagiert und geschichtenreich durch die Limburg zu führen.
Bereits um 500 v. Chr. hatte sich auf dem Gelände des Klosters auf dem Linthberg eine keltische Bergfeste befunden. Diese bauten die salischen Herzöge von Worms nach der Völkerwanderungszeit zu einer Burg aus, die den Eingang des Isenachtals kontrollierte.  Unter Beibehaltung des Namens wurde die Limburg ab 1024 zu einer Abtei des Benediktinerordens mit Basilika umgebaut und 1035 in Anwesenheit Kaiser Konrad II. der Gottesmutter Maria geweiht. 1038 hielt man dort eine Synode ab, die den Beginn der Adventszeit für die gesamte abendländische Christenheit festlegte. Bisher war die Zahl der Adventssonntage in den einzelnen Ländern unterschiedlich gewesen. Als Königin Gunhild von Dänemark, die Gattin Kaiser Heinrich III., 1038 in Italien starb, wurde ihr Leichnam über die Alpen gebracht und im Kloster beerdigt. Ihre Gebeine ruhen noch heute im Kirchenschiff. 1376 wurde das Kloster in der Fehde der Leininger mit den Fürstbistümern Worms, Mainz und Speyer stark beschädigt und 1504 während des Landshuter Erbfolgekrieges niedergebrannt. Es wurde nur teilweise wieder aufgebaut und in der napoleonischen Zeit  als Steinbruch benutzt, bis es 1843 von der Stadt Bad Dürkheim erworben wurde. Seiher wird es erhalten und geschützt. Heute finden hier die Veranstaltungen des Limburg-Sommers statt.
Nach kurzer Stärkung in der Klosterschänke Limburg machte sich die Senioren-Gruppe auf den Weg bergab über Grethen bergauf via Limburgstraße zu ihrem dritten Etappenziel, die Schlosskirche in Bad Dürkheim. Hier wurden sie von Kirchenhüterin Irmgard Lueg erwartet und mit einem erfrischenden Kaltgetränk begrüßt. Irmgard Lueg war ihre Liebe zu „ihrer Kirche“ abzuspüren. Die Schlosskirche in Bad Dürkheim, ehemals Kirche St. Johannis, ist die evangelische Hauptkirche der Stadt. Zugleich ist sie ein bedeutsames Bauwerk der Frühgotik in der Pfalz.
Der Bau der Schlosskirche wurde um 1300 begonnen und um 1335 vollendet.  Der Westturm von 1863/66 ist auf dem Unterbau des mittelalterlichen Turmes errichtet. Zu den wenigen Resten der Original-Ausstattung der Bad Dürkheimer Schlosskirche gehört ein reich verzierter spätgotischer Taufstein von 1537 mit dem Leininger-Wappen, der heute im südlichen Nebenchor steht.  Bei der Restaurierung 1978 wurde die gotische Bausubstanz wieder freigelegt. Nicht so recht nachvollziehbar war für die Teilnehmer die Verlegung des Orgelstandortes und die Entfernung des Barocken Kanzelaltars von 1730. Dieser ist aber offenkundig aus seinem Dornröschenschlaf auf einem Dachboden in Speyer erwacht und nach 34 Jahren wieder in seine Heimat Bad Dürkheim zurückgekehrt. Ob er künftig seinen Platz wieder in der Schlosskirche findet ist abzuwarten. Besonders angetan zeigten sich die Kirchenwanderer von einem der Kirchenfenster, das gut erkennbar die Schöpfungsgeschichte erzählt.
Mit viel Applaus für Ihre, mit viel Herzblut durchgeführte Führung, verabschiedeten sich die Senioren von Kirchenhüterin Irmgard Lueg und machten sich auf den Weg zum Mehrgenerationenhaus. Bei gutem Kaffee und leckerem Quetschekuchen, für den sich die staatl. geprüfte Hauswirtschaftsleiterin Kaja Horr verantwortlich zeichnet, erholten sich die Aktiv – 58+ - Senioren von den Herausforderungen der 7 stündigen Tour. Währenddessen erläuterte Jutta Schlotthauer die Idee und die vielseitigen Angebote des Mehrgenerationenhauses „Sonnenblume“. „Bei uns wohnt man nicht, bei uns trifft man sich“, hob die Koordinatorin des MGH hervor. Die „Sonnenblume“ verstehe sich als einen Ort, an dem sich Menschen wohlfühlen, sich engagieren, Unterstützung erfahren und miteinander Begegnungen ganz vielseitiger Art erleben können. Jung und Alt an einem Tisch beim Essen oder beim Lernen. Als Beispiel erzählte sie von überraschten Schülern der Schulen von Nebenan, die Senioren ihr Computerwissen und -können weitergeben. Überrascht und begeistert zugleich darüber, wie viel sie selbst von den Kursen und besonders von den Kursteilnehmern profitieren und lernen können. Schlagworte wie Beratung, Begegnung, Bildung und Kreativität werden hier mit vielfältigem Leben gefüllt - eine Bereicherung für viele Menschen aller Altersgruppen von Dürkheim und Umgebung. So war es nicht verwunderlich, dass ein Satz immer wieder aus dem beherzten Vortrag von Jutta Schlotthauer herauszuhören war: „Wir sind stolz auf unsere Ehrenamtlichen, von denen wir gar nicht genug haben können!“.
Unser ganz persönliches Tour-Fazit:
Es war eine anspruchsvolle Wanderrung, bei der wir liebenswerte Teilnehmerinnen und Teilnehmer, interessante und imposante Kirchen und Ruinen sowie ehrgeizige Projekte und engagierte Projekt-leiter/innen (mit viel Herzblut) kennen gelernt haben.
Kurzum: wir haben eine gelungene und  vielversprechende Startveranstaltung der neuen Gruppe der Evangelischen Kirchengemeinde in Freinsheim „Aktiv 58 +“ miterlebt.
Doris & Reinhard Schepp

Der Demenz auf der Spur

Der Seniorentreff aktiv 58 plus veranstaltete unter der bewährten Leitung von Bernhard Würtenberger einen abwechslungsreichen Informationsabend rund um das Thema Demenz. Der sich in Ausbildung befindende SeniorTrainer hatte es sich zum Ziel gesteckt, einen Abend zu arrangieren, um Menschen mit Demenz und deren Angehörige in den Mittelpunkt zu rücken. Gerontologin Nicola Hagemann gab im Gemeindehaus der evangelischen Kirche in Freinsheim anschaulich und fachkompetent einen Überblick über verschiedene Formen der Demenz. Die interaktive Veranstaltung bezog die interessierten Teilnehmer über weite Strecken mit ein.
“Kann das weg oder nimmt Mutter das mit, wenn sie ins Heim zieht?“ war eine der entscheidenden Fragen, die rund 40 Interessierte an diesem Abend beschäftigte. Sich in einen Menschen mit Demenz hineinzuversetzen, ihm nachzuspüren, das ist der 56-jährigen Referentin sehr überzeugend gelungen. Mit Hilfe einer praktischen lebensnahen Schatzkiste bezog sie die Zuhörer praxisnah mit ein auf dem oft verschlungenen Weg von Menschen mit Demenz. Was ist wirklich wichtig für einen Menschen mit Demenz, an was hängt sein Herz und was bewegt ihn- waren Fragen, mit denen sich die Teilnehmer ausführlich beschäftigten. Dass Demenz durchaus auch humorvolle Seiten haben kann, bestätigte sich in der kleinen Zwischenpause, die Nicola Hagemann nutzte, um den Gästen Lust auf einen anderen neuen Umgang von Menschen mit Demenz zu geben. Mittels Fliegenklatschen und Luftballons kam man auch in der Pause schnell miteinander in Austausch und Interaktion. Initiator Bernhard Würtenberger zog ein positives Fazit, in dem er betonte, dass dies der Anfang von einem besseren Verstehen von Menschen mit Demenz sei. Wer mehr über Fortbildungsangebote/- abende in Kirchengemeinden von Nicola Hagemann wissen und / oder Veranstaltungen buchen möchte, kann sich per Mail an sie wenden :
nicola.hagemann@googlemail.com